SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

SYNOPTISCHE ÜBERSICHT KURZFRIST

SXEU31 DWAV 250800

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 25.09.2021 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
SWa, am Sonntag Übergang zu Sz

Warmes und teils sonniges Spätsommerwetter, am Sonntag von Südwesten einzelne 
Gewitter mit Starkregen, zum Montag den Osten erreichend. 

Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC
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Samstag... wird aktuell in einem Omega-ähnlichen Strömungsmuster ein Rücken über
Mitteleuropa von einem Trog über dem nördlichen Skandinavien bis zum Schwarzen 
Meer reichend sowie einem Cut-Off im Raum La Coruna flankiert. Am Boden wird 
dadurch das Hoch KERSTIN gestützt, das allerdings mit seinem Schwerpunkt schon 
relativ weit im Südosten - genauer über der Adria liegt. Davon ausgehend spannt 
sich ein Keil mit 1015 hPa bis zur Rheinmündung und weiter westwärts zum 
Englischen Kanal auf. An der Nordflanke des Keils wird mit einer westlichen 
Strömung von der Nordsee und den Britischen Inseln noch immer recht feuchte Luft
herantransportiert, die im Theta-Feld mit Frontenresten des abziehenden Tiefs 
UWE über dem nördlichen Baltikum korrespondieren. Das äußert sich konkret in 
kompakter tiefer Bewölkung nördlich der zentralen Mittelgebirgsschwelle, aus der
es hier und da auch etwas nieselt. Zudem macht sich das abziehende Tief auch 
noch windtechnisch an der Ostsee bemerkbar, wo bis gerade eben an den 
Nordspitzen von Darß, Rügen und Usedom Böen der Stärke 6 bis 7 Bft aufgetreten 
sind. 

Im Bereich der Keilachse und südlich davon - sprich grob gesprochen in der 
Südhälfte des Landes - schickt sich nach Auflösung örtlicher Nebelfelder ein 
sonniger Spätsommertag an. Bei T850 von 10 Grad am Harz und bis 15 Grad am 
Alpenrand wird es zwar bei der nur schwachen Luftbewegung Ende September langsam
schwer mit der kompletten Durchmischung, aber auch 12-13 Grad Aufschlag 
garantieren im Süden Deutschlands Höchstwerte um die 25 Grad. Unter den Wolken 
im Norden sind es eher um oder knapp unter 20 Grad - also auch nicht wirklich 
frisch, da der Ursprung der erwärmten maritimen über der Biskaya und den Azoren 
zu verorten ist.

Zum Abend wird die Höhenströmung mit Annäherung des Cut-Offs über dem äußersten 
Südwesten Deutschlands langsam zyklonaler und im Vorticityfeld lassen sich erste
kurzwellige Anteile ausmachen. Labilität und Scherung nehmen auch langsam zu, 
das bisschen CAPE was allerdings über dem Schwarzwald und der Alb generiert 
wird, ist erst oberhalb eines doch beachtlichen Deckels (CIN teils dreistellig) 
zu finden, weshalb es mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Abend noch trocken 
bleibt.

In der Nacht zum Sonntag allerdings wird der Cut-Off vom sich amplifizierenden 
Höhentief südwestlich von Island langsam "geschluckt" und weiter ostwärts 
gesteuert. In den Frühstunden liegt die Achse des noch verbleibenden Troges etwa
auf einer Linie Normandie-Pyrenäen. Zeitgleich wird die Achse des Rückens nach 
Nordpolen und Südschweden abgedrängt, weshalb sich landesweit eine leicht 
flatternde südwestliche Höhenströmung einstellt. Stärkere Hebungsantriebe sind 
dabei aber noch nicht auszumachen.

Beim Blick auf das most unstable CAPE muss man allerdings festhalten, dass im 
Südwesten bis 300 J/kg, bis nach NRW und Franken immerhin 100 bis 200 J/kg 
generiert werden. Somit sind vereinzelte (ICON fast nix, Euro4 zurückgerechnet 
aber dennoch am stärksten mit bis zu 5 mm, Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in 
der Mitte) abgehobene Schauer, an der Grenze zu Frankreich auch mal ein lokales 
Gewitter nicht ausgeschlossen. Vorrangigste Begleiterscheinung ist dann - wenn 
überhaupt - der Starkregen mit PPW's um die 30 mm.

Im Großteil bleibt es aber noch locker bewölkt, teils klar und es bildet sich 
erneut gebietsweise teils dichter Nebel, vor allem in Gewässernähe. Über dem 
Norden und Nordosten hält sich immer noch zäh der Bewölkungsstreifen mit den 
Frontenresten, der dort die Nebelneigung eher gering hält. Dort sowie im 
äußersten Südwesten bleibt es mit 16 bis 12 Grad dann auch am mildesten, bei 
längerem Aufklaren sinken die Temperaturen auf 9 bis 5 Grad. 

Sonntag... wird der Rücken durch WLA mit Annäherung des atlantischen Troges über
der Ostsee, dem Baltikum und Skandinavien gestützt, womit sich die Hochdruckzone
kaum ostwärts aus Deutschland abgedrängt wieder verstärken kann. Durch die 
leichte Abtrocknung in der südöstlichen Strömung lösen sich örtliche Nebelfelder
und final auch die Restbewölkung in Schleswig, Ostholstein und Vorpommern auf. 

Markanter ist da natürlich der Trog von Frankreich, dessen Verlagerung durch die
Stärkung des Rückens aber stark ausgebremst wird und dessen Strukturen sich auf 
dem Weg nach Nordosten (wie so häufig) auch zunehmend verlieren. Letztlich 
erreicht die Achse in der Höhe bis zum Abend gerade einmal Rheinmündung und das 
Schweizer Jura. Die Vorderseite weist keine oder kaum diffluente Strukturen auf 
und von der einst recht ansprechenden Scherung über Frankreich bleibt mit 10-15 
m/s DLS nicht mehr viel übrig. Das ML CAPE schaukelt sich zum Nachmittag auf 
Werte um 500 J/kg hoch und die PPW's (modellbedingt leichte Übertreibung im 
Bereich des gerechneten Niederschlages) legen noch etwas zu auf 30-35 mm. So 
sind nach Auflösung der nächtlichen Überbleibsel vor allem am Nachmittag in 
einem Korridor von Baden-Württemberg und aus den Alpen heraus bis nach NRW, 
Hessen und Thüringen schauerartig verstärkte und teils gewittrig durchsetzte 
Regenfälle zu erwarten. Aufgrund der erwähnten Randbedingungen liegt der Fokus 
auf dem Starkregen, der in der Regel im markanten, lokal eng begrenzt aber auch 
bis in den Unwetterbereich mit mehr als 25 mm binnen kurzer Zeit reichen kann. 
Die große Unwetterlage steht gleichwohl nicht an. Laut ICON-D2 EPS kommen für 
potentielle Unwetter vor allem die Mittelgebirge wie Schwarzwald, Schwäbische 
Alb, Spessart, Pfälzerwald, Hunsrück und Bergisches Land in Frage mit 
Wahrscheinlichkeiten von 10 bis 30% für mehr als 35 mm binnen 6 Stunden (ein 
Großteil davon sicherlich binnen kurzer Zeit möglich, aber auch mehrstündiger 
Starkregen aufgrund der langsamen Verlagerung möglich). 

Die Höchstwerte liegen im Südwesten bei schwül-warmen 20 bis 24 Grad, im Osten 
und Südosten bei viel Sonne bis zu 27 Grad.

In der Nacht zum Montag greift der immer weiter "aufgeweichte" Trog auf 
Deutschland über und erreicht bis zum Morgen mit 570 gpdm den Nordwesten und 575
gpdm in 500 hPa den Südosten Deutschlands. Das Band mit schauerartigen und teils
noch gewittrig durchsetzten Regenfällen fokussiert sich zunehmend linienhaft und
nahezu strömungsparallel auf einen Bereich einer sich ausbildenden Rinne am 
Boden und erstreckt sich unter Abschwächung am Morgen von Schleswig-Holstein bis
zum Vogtland und weiter zum östlichen Alpenrand. Sind es vor allem anfangs noch 
die punktuellen Gewitter rückt im Laufe der Nacht immer mehrstündiger und 
ungewittriger Starkregen in den Fokus, je nachdem, wie stark der Hebungsimpuls 
letztlich noch ist. Euro4 deutet zumindest das Potential an mit 30-60 mm binnen 
6h im Grenzbereich zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Der Schwerpunkt 
der Konvektion parametrisierenden Modelle ist ähnlich, die Größenordnung mit 
maximal 10 mm aber wenig überraschend deutlich geringer. ICON-D2 EPS liegt erst 
bis Mo00z vor, legt den Schwerpunkt bis dahin vor allem in Schwaben mit 40% für 
mehr als 20 mm binnen 6h. 

Bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gebiete östlich der Elbe im Randbereich des 
Hochs weitgehend trocken bleiben und auch im Westen beruhigt sich das Wetter 
rückseitig des Troges NVA bedingt wieder und es bilden sich nach frischem 
Feuchteeintrag teils großräumige dichte Nebelfelder aus. Es bleibt landesweit 
eine vergleichbar milde Nacht mit Tiefstwerten zwischen 17 und 10 Grad.  

Montag... etabliert sich ein klassisches Omega-Regime, das allerdings in seiner 
horizontalen Achse sehr weit nördlich ansetzt (Tief Südrussland, Hoch Finnland, 
Tief Island). So befindet sich Deutschland bereits am "Fuße des Omegas" an der 
Spitze des auf den Englischen Kanal übergreifenden Troges. Die korrespondierende
Kaltfront eines Nordmeertiefs erreicht den äußersten Westen Deutschlands mit 
leichten bis mäßigen Regenfällen mit 2 bis 8 l/qm binnen 6h. Sie bringt eine 
deutliche Stabilisierung mit sich. Rückseitig lagert subpolare Meeresluft mit 
T850 unter 5 Grad. 

Nach einem sich ostwärts anschließenden Bereich kompensatorischen Absinkens (von
dem auch der Süden Deutschlands profitiert) befindet sich in etwa entlang der 
Elbe noch gewissermaßen die Restlabilität im Bereich der sich abschwächenden 
Rinne, die im Tagesverlauf sicher noch einmal hinsichtlich der Gewittertätigkeit
noch "aufflammen" wird. Durch die immer schwächer werdende Unterstützung aus der
Höhe ist die Unwettergefahr aber geringer als noch am Vortag einzuschätzen. 
Markante Entwicklungen mit Starkregen zwischen 15 und 25 mm binnen einer Stunde 
sind aber lokal wahrscheinlich. Die Höchstwerte liegen bei angenehmen, im Osten 
leicht schwülen 19 bis 25 Grad.

In der Nacht zum Dienstag rauscht die o.e. Kaltfront bis in den Osten durch, 
wird im Südteil allerdings zurückgehalten. Meist sind mit Passage nur leichte 
Regenfälle verbunden, die Hebung der feucht-labilen Luftmasse im Osten führt 
aber vor allem entlang von oder und Neiße noch zu einer teils gewittrigen 
Verstärkung der Niederschläge, potentiell bis in den markanten Starkregenbereich
hinein. 

Rückseitig lockert es im Nordwesten und Westen wieder auf, bei den zu 
erwartenden einstelligen Taupunkten ist die Nebelneigung aber nur gering. An der
Nordsee können kurzzeitig starke bis stürmische Böen auftreten, wobei sich der 
anfangs doch scharfe Trog, in dem die Kaltfront eingebettet ist auf dem Weg nach
Osten rasch verliert.  
    

Modellvergleich und -einschätzung
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In den großräumigen synoptischen Strukturen sehen die Modellsimulationen ähnlich
aus. Unterschiede in der unterschiedlich akzentuierten Niederschlagsbeurteilung 
liegen konvektionsbedingt in der Natur der Sache und wurden, wenn markant, 
bereits im Text erwähnt. 

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Robert Hausen

 

 

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