Convective Outlook für Samstag, den 01. August und Sonntag, 02. August 2020

Convective Outlook für Samstag, den 01. August und Sonntag, 02. August 2020

Outlook 01. und 02. August 2020

Herausgegeben: 01.08.2020 – 16:00 MESZ

Für den Zeitraum: 01.08.2020 – 18:00 MESZ bis 02.08.2020 – 18:00 MESZ

Forecaster: Jannis Schneider

 

Warnstufe 0 wurde ausgegeben aufgrund des Potentials für lokale Gewitter mit mäßigen Blitzraten, kleinem Hagel (bis 1,0 cm), Platzregen (bis 30 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit) und konvektiv bedingten stürmischen Böen (bis 70 km/h).

Warnstufe 1 wurde ausgegeben aufgrund des Potentials für unwetterartige Gewitter mit Hagel (bis 2,0 cm), Platzregen (bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit) und konvektiv bedingten Sturmböen (um 80 km/h).

Warnstufe 2 wurde ausgegeben aufgrund des Potentials für schwere Unwetter mit hoher Blitzintensität, Hagel (bis 3,0 cm) oder großen Hagelansammlungen, heftigem Platzregen (bis um 50 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit), konvektiv bedingten schweren Sturmböen (um 90 km/h), sowie dem erhöhten Potential für Tornados im Bereich der Kaltfront.

 

Übersicht

Deutschland lag bis zum Samstagmittag im Bereich des Hochdruckgebiets „Claws“, welches sich aber nun allmählich nach Skandinavien verlagert und somit Platz für das ausgeprägte Frontensystem des Tiefs „Ellen“ macht. Im Westen Deutschlands macht sich am Samstagnachmittag bereits eine Konvergenz bemerkbar, die zum späten Nachmittag bis zur Mitte vorankommt und neben Wolken auch schauerartigen Regen bringt. Demnach gelangt die Westhälfte in feuchtere Luft, wobei es nur wenig kühler ist als zuletzt. Die Folge ist ein verbreitet hoher Taupunkt. In schwüler Luftmasse steigt ML-CAPE recht zügig in den vierstelligen Bereich; an der Spitze können es durchaus etwa 2000 J/kg sein. Die Hebung bleibt dabei vorerst verbreitet gering und der Deckel recht stark, weswegen Schauer und Gewitter nur lokal auftreten. Besonders im Süden wird mithilfe von Orographie aber immer wieder der Deckel durchstoßen. Im Zusammenhang mit den hohen Energiewerten sind Unwetter sehr wahrscheinlich. Diese breiten sich im weiteren Verlauf auf das Alpenvorland aus.

Im Laufe des Abends spielt die vorgelagerte Konvergenz keine große Rolle mehr. Der in diesem Bereich ziehende Niederschlag schwächt sich rasch ab; dazu gehören auch die Gewitter, die dann bereits den Südosten des Landes erreicht haben. Spannend wird es dann erst wieder mit dem Eintreffen eines Kurzwellentrogs aus westlichen Richtungen. Im Zusammenspiel mit der herannahenden Kaltfront lebt voraussichtlich in einer Linie vom Hunsrück bis zur Lübecker Bucht die Gewitteraktivität wieder auf. Demnach drohen östlich dieser Linie einige unruhige Stunden. Das gilt besonders für einen Streifen vom Saarland über Hessen bis ins südliche Niedersachsen, da hier selbst in der Nacht zum Sonntag noch Energiewerte von bis zu 1200 J/kg gegebene sind. Die Konvektion scheint hier zudem über mehrere Stunden hinweg sehr hochreichend. Demnach kann man von blitzintensiven Gewittern ausgehen, die aufgrund der PPW-Werte von teils um oder gar knapp über 40 mm auch ordentlich Wasser abwerfen dürfen. Trotz der ungünstigen Tageszeit kann auch Hagel mit dabei sein, der zwar nicht durch große Korndurchmesser glänzt, sondern eher durch große Mengen (dafür sprechen ebenfalls die hohen PPW-Werte). Im Gegensatz zum Samstagnachmittag sind zudem die Scherungs-Werte deutlich nennenswerter. Demnach ist auch das Potential für blitzreiche Superzellen gegeben. Im Großen und Ganzen kann auch die Bildung eines Tornados nicht ausgeschlossen werden.

In den frühen Morgenstunden des Sonntags nimmt die Verlagerungsgeschwindigkeit der Kaltfront zu, sodass der Schwerpunkt der Gewitter recht zügig in der Südosthälfte Deutschlands liegt. Das Unwetterpotential ist aufgrund der niedrigeren Energiewerte (meist nur noch 400 bis 600 J/kg im ML-CAPE) bis dahin gesunken. Allerdings deutet sich für Sonntagnachmittag im Südosten Deutschlands mit bis zu 1400 J/kg ein weiteres Maximum an, was erneut höhere Blitzraten zur Folge hat. Die PPW-Werte bleiben mit um 40 mm hoch; teils können es auch um 45 mm sein. Bei der flächig ordentlichen Hebung sind auch außerhalb von Gewittern in Verbindung mit schauerartigem Starkregen hohe Regenmengen möglich. Innerhalb sechs Stunden kann man von deutlich mehr als 30 l/m² ausgehen.

Für eine bundesweite Wetterberuhigung sorgt die stabilere Luftmasse rückseitig der Kaltfront am späten Sonntagabend und in der Nacht zum Montag.

 

Modellvarianz

Im Großen und Ganzen sind sich die Modelle recht einig. GFS, COAMPS und ARPEGE lassen die Kaltfront am späten Samstagabend etwas westlicher zünden als ICON-EU, COSMO-D2, GEM und ECWMF. Die Gewitter-Cluster in der Nacht zum Sonntag über Teilen des Südwestens und der Mitte Deutschlands werden aber mittlerweile von allen namenhaften Wettermodellen gezeigt.

 

Wie bei jeder Gewitterlage gilt auch hier, dass es bei weitem nicht jeden treffen wird!

Aktuelle Warnungen sind in der WarnWetter App des Deutschen Wetterdienstes oder dessen Webseite zu finden.