Convective Outlook für Sonntag, den 10. Mai 2020

Convective Outlook für Sonntag, den 10. Mai 2020

Warnstufe 0 wurde ausgegeben aufgrund des Potentials für Gewitter mit mäßigen Blitzraten, kleinem Hagel (um 0,5 cm), Platzregen (< 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit) und konvektiv bedingten stürmischen Böen (um 65 km/h). 

Warnstufe 1 wurde ausgegeben aufgrund des Potentials für unwetterartige Gewitter mit Hagel (< 1,5 cm), heftigem Platzregen (< 35 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit) und konvektiv bedingten stürmischen Böen (um 70 km/h). 

 

Übersicht über die Wetterlage 

Deutschland gerät am Sonntag (Muttertag) unter den Einfluss des Tiefdruckgebiets „Aki“. Dieses bildet im Vorhersagezeitraum drei Tiefdruckkerne aus. Dabei liegt der südliche Kern zur Mittagszeit an der Costa Brava, der mittlere über der Bretagne und letzterer – welcher letztendlich unser Wetter beeinflusst – über Nordrhein-Westfalen. Jeder Kern besitzt dabei ein eigenes Frontensystem. Im Falle Deutschland schiebt sich am frühen Sonntagnachmittag eine Warmfront nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg/Berlin. Auf der anderen Seite löst die Kaltfront mit noch geringer Verlagerungsgeschwindigkeit über dem südlichen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz/Saarland erste Gewitter aus. Aufgrund fehlender Scherung handelt es sich dabei meist um einzelne „Gewitterklumpen“, die kaum Chancen haben, sich zu organisieren. Bei nur geringer Verlagerung kann man allerdings von örtlich großen Niederschlagssummen (> 30 mm) in kurzer Zeit ausgehen. Konvektive Böen bleiben dabei vorerst nicht nennenswert. 

Im Laufe des Nachmittags gewinnt die Kaltfront an Verlagerungsgeschwidigkeit und horizontal an Fläche, weswegen dann auch Hessen, Thüringen, sowie Teile von Sachsen-Anhalt und Sachsen im Gefahrenbereich liegen. Im Vorfeld heizt es in feuchter Luftmasse zudem noch einmal anständig auf (27 Grad im Rhein-Main-Gebiet). Des Weiteren macht sich im Norden die Kaltfront des Tiefs „Britta“ bemerkbar, welche die Geschichte zusammen mit parallel verlaufenden Isobaren aus Nord zusätzlich anschiebt. Als Ergebnis haben wir dicht gedrängte Isothermen über Deutschland. In der wärmsten Luftmasse steigen die CAPE-Werte in einen nennenswerten Bereich an. Somit erreichen wir über Rheinland-Pfalz/Saarland und teils auch über Hessen 800 bis 1000 J/kg im Mixed Layer. Dort werden mithilfe von kräftigen Hebungsvorgängen der o.e. Kaltfront auch die ersten kräftigen bzw. unwetterartigen Gewitter erwartet. Bei einer Wolkenobergrenzentemperatur von -55 bis -59 Grad CelsiusPWAT-Werten zwischen 27 und 30 kg/m² und Vertikalbewegungen bis etwa -34 hPa/h kann man örtlich von Hagel mit durchaus 1,5 cm Korndurchmesser und auch von stürmischen Böen um 70 km/h ausgehen.  

In der Nacht zum Montag halten Schauer und Gewitter unter Abschwächung im Süden Deutschlands an. Die Kaltfront des Tiefs „Aki“ ordnet sich dabei zunehmend vertikal an und liegt über Baden-Württemberg und Rheinland-PfalzWährend dort schauerartig verstärkter und teils gewittriger Regen fällt, liegt die Kaltfront des Tiefs „Britta“ bereits diagonal über Deutschland. Diese sorgt für die endgültige Abkühlung und eine zügige Stabilisierung der Luftmasse, sodass das Potential für Gewitter dann nahe null ist. Da aber im Bereich der letzten Kaltfront noch Hebung stattfindet und somit stärkere Niederschläge fallen, fallen hier zunehmend Flocken. Die mittleren Luftschichten gelangen dabei teils schon zügiger in die kalte Luftmasse, sodass Regentropfen aus den Wolken dort gefrieren. Eiskörner sind also regional denkbar. Allerdings dürfte sich Glätte auch im Bergland in Grenzen halten, da die Böden nicht genügend Zeit haben, um sich auf Frostniveau abzukühlen. Einzelne markante Ereignisse kann man dennoch nicht ausschließen.  

Bei weiterhin sinkender Schneefallgrenze sind im Süden Deutschlands im Laufe der Nacht verbreitet Schneefälle zu erwarten. Im Bergland sind dabei oberhalb 400 bis 600 m regional 10 bis 15 cm Neuschnee denkbar. Aufgrund dessen sollte man sich auf entsprechend winterliche Verhältnisse einstellen. 

 

Wie bei jeder Gewitterlage gilt auch hier, dass es bei weitem nicht jeden treffen wird!

Aktuelle Warnungen sind in der WarnWetter App des Deutschen Wetterdienstes oder dessen Webseite zu finden.