Wie werden eigentlich Temperaturrekorde gemessen?

Wie werden eigentlich Temperaturrekorde gemessen?

Werden neue Temperaturrekorde vermeldet, erreichen uns Meteorologen häufig Kommentare, dass die Temperatur im Garten von Max und Erika Mustermann doch eigentlich viel höher war als die offiziell gemessene. Warum kommt es zu solchen Unterschieden bei der Temperaturmessung?

Viele Stationen meldeten in Deutschland neue Monatsrekorde, sowohl tagsüber als auch in den Nächten. Am Mittwoch, den 26.06.2019, verzeichneten die Stationen in Coschen (Brandenburg) und Bad Muskau (Sachsen) mit 38,6 Grad Celsius sogar die höchste jemals im Juni gemessene Temperatur in Deutschland. Frankreich knackte am Freitagnachmittag (28.06.) sogar zum ersten Mal seit Beginn der Temperaturaufzeichnung die 45-Grad-Marke mit 45,9 Grad in Gallargues-le-Montueux im Département Gard.

Allerdings gibt es bei der Veröffentlichung von offiziell gemessenen Temperaturrekorden auch immer wieder verwunderte Reaktionen aus der Öffentlichkeit. Häufig weichen diese nämlich teils recht deutlich von den höheren Temperaturen ab, die so mancher Bürger von seinem handelsüblichen Thermometer im Garten, an der Hauswand oder im Auto abliest.

Aber wie kommt es zu solch deutlichen Unterschieden? Wie misst man die Temperatur denn überhaupt „richtig“?

Offiziell bestätigte Temperaturwerte in den Datenbanken der weltweiten Wetterdienste müssen an Wetterstationen gemessen worden sein, die international festgelegten Standards entsprechen, um aktuell wie auch in der Vergangenheit global vergleichbar zu sein.

Zunächst braucht man einen geeigneten Standort für die Messung. Dabei sollten die Wetterdaten repräsentativ für die Umgebung sein und die Station beispielsweise nicht in einem lokalen „Kälteloch“ liegen. Am besten eignet sich hierfür ein relativ freier Platz mit genügend Abstand zu Gebäuden oder hohem Bewuchs auf einem für die Region natürlichem Untergrund (in der Regel eine kurz gehaltene Rasenfläche).

Eine der größten Herausforderungen bei der Temperaturmessung besteht für die Stationsorte sicherlich in der Einhaltung dieser Richtlinien über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten hinweg. Denn ein Höchstwert kann nur als solcher anerkannt werden, wenn vergleichbare Temperaturwerte an einem bestimmten Standort aus der Vergangenheit vorliegen.

Gemessen wird die Lufttemperatur immer in zwei Metern Höhe über Grund. Die Messung erfolgt jedoch nicht in der prallen Sonne, sondern abgeschattet mit einem modernen, aus Kunststoff gefertigten Lamellen-Strahlungsschutz. Dieser hat an den automatisierten Standorten die sogenannte „Englische Hütte“ ersetzt. Letztere ist eine weiß gestrichene Holzhütte mit Außenwänden aus Lamellen und kommt nur noch an sehr wenigen mit Personal besetzten Referenzstationen zum Einsatz.

Zur Messung der Temperatur können verschiedene Thermometer verwendet werden, wobei diese selbstverständlich auch strengen Richtlinien unterliegen und regelmäßig gewartet werden müssen. Die klassischen „Englischen Hütten“ sind meist mit Flüssigkeitsthermometern ausgestattet, die allerdings regelmäßig (mindestens stündlich) von Fachpersonal abgelesen werden müssen. Für die Fernmessung oder den Einsatz in automatischen Messdatenerfassungsanlagen eignen sich die Flüssigkeitsthermometer jedoch nicht. Automatisierte Wetterstationen besitzen daher elektronische Sensoren, welche die Lufttemperatur kontinuierlich aufzeichnen.

Standardmäßig werden die Stationen gewartet, deren Daten durchlaufen eine Qualitätsprüfung. Wird nun an einer Station ein neuer Temperaturrekordwert gemessen, so wird die Anlage vor der offiziellen Bestätigung des Temperaturrekordes noch einmal genau auf ihre korrekte Funktionsweise und die Wahrung der örtlichen Umgebungsbedingungen geprüft. Anschließend geht der Temperaturwert in die global vernetzten Datenbanken ein und kann wie auch alle anderen Messdaten von den Wetterdiensten weltweit abgerufen werden.

 

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.06.2019

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