Convective Outlook für Montag, den 10. Juni 2019

Convective Outlook für Montag, den 10. Juni 2019

Herausgegeben am: 10.06.2019 12:00 MESZ
Gültig von: 10.06.2019 16:00 MESZ bis 11.06:2019 06:00 MESZ
Forecaster: Philipp Joppe

Warnsituation:

Warnstufe 2 wurde ausgegeben auf Grund von Gewittern mit Hagel von 5 cm und mehr, sowie möglichen konvektiven Böen über 120 km/h.

Warnstufe 1 wurde ausgegeben durch Auftreten von Gewittern mit Böen über 90 km/h, Starkregen mit bis zu 50 mm innerhalb kurzer Zeit und möglichen Hagel um die 3 cm.

Synoptische Übersicht:

Deutschland liegt am Pfingstmontag östlich eines Höhentroges über dem Ärmelkanal. In Zuge dessen kommen mit einer südlichen Strömung feucht warme Luftmassen nach Deutschland. Zusätzlich zu dem Einfluss des Troges kommt der Einfluss mehrerer Bodentiefs, welche sich über Deutschland bemerkbar machen. Dabei ist das Tief über Bayern, welches sich im Laufe des Tages zu einer Rinne bis zur Ostsee ausweitet wetterbestimmend für diesen Montag.

Diskussion:

In Zusammenhang mit der Tiefdruckrinne bildet sich ab dem frühen Nachmittag eine Konvergenzlinie über Deutschland aus. Diese verläuft von der Schwäbischen Alb bis hin zur Ostsee. Diese Konvergenz bildet zudem eine Art Luftmassengrenze zwischen stabilen bis nur leicht instabile Luftmassen im Westen und sehr instabilen Luftmassen über dem Osten Deutschlands. Hier liegen die CAPE- Werte bei verbreitet bei 2000 J/kg. Allerdings sind lokal auch CAPE- Werte bis an die 3000 J/kg zu finden. Damit bildet sich ein Pulverfass mit viel Energie, welches nur noch gezündet werden muss. Dies erfolgt dann am Nachmittag in Zusammenhang der Konvergenz und teils mit Hilfe der Orographie. Bei den hohen CAPE- Werten und der hohen Feuchte (PPW- Werte von 35 bis lokal 40 mm) sind alle Gegebenheiten für heftigen Starkregen von bis 50 mm innerhalb kurzer Zeit und großem Hagel bis 5 cm und lokal auch mehr gegeben. Bei einer erhöhten Scherung in 0-1 km mit Werten von lokal bis zu 50 Knoten und in 0-6 km bis lokal an die 80 Knoten werden sich auftretende Gewitter schnell zu großräumigen Systemen organisieren. Hier ist auch die Bildung eines MCS nicht ausgeschlossen. Zusätzlich zu diesen Anzeichen sind aber auch alle Gegebenheiten für Superzellen gegeben und werden von den Modellen wiedergegeben. Bei diesen Superzellen sind auf Grund der hohen Scherungswerte, einer erhöhten Helizität in 0-3 km von bis 500 m²/s² und den niedrigen Kondensationsniveaus auch Bedingungen für die Bildung von Tornados gegeben. Dieses Risiko wird von den Modellen überwiegend im Alpenvorland, sowie in Sachsen- Anhalt und Brandenburg gesehen. In Zusammenhang mit den großen Mengen an ausfallendem Wasser sind zusätzlich bei den Gewittern auch starke Sturmböen und Orkanböen von mehr als 120 km/h möglich. Auch einzelne Fallböen bzw. Downbursts können nicht ausgeschlossen werden.

Modellvarianz:

Die verglichenen Modelle zeigen alle eine ähnliche Ausgangslage. Auch die unwetterrelevanten Parameter werden von allen Modellen ähnlich wiedergegeben. Insbesondere hier werden auch die Parameter für die mögliche Entstehung von Tornados von mehreren Modellen simuliert.

Diese Wetterlage ermöglicht zumindest synoptisch gesehen ein starkes Unwetterpotenzial, jedoch findet dies in der Nacht und zu unbestimmtem Beginn statt, was die Interpretation der Modelle deutlich erschwert. Auch wenn Tornados, Superzellen etc. möglich sein können, muss dies nicht zwangsläufig der Fall sein. Dazu können auch einige Regionen innerhalb der stärksten Warnstufe verschont bleiben. Aktuelle Warnungen sind in der WarnWetter App des Deutschen Wetterdienstes oder dessen Webseite zu finden.