Convective Outlook für die Nacht auf Donnerstag den 06.06.2019

Convective Outlook für die Nacht auf Donnerstag den 06.06.2019

 

Herausgegeben am: 05.06.2019 17:00 MESZ
Gültig von: 05.06.2019 17:00 MESZ bis 06.06:2019 06:00 MESZ
Forecaster: Philipp Joppe, Simon Schöfl

Warnsituation:

Es gilt Warnstufe 2+ aufgrund der synoptischen Möglichkeit für einzelne Tornados oder Downbursts und damit verbundenen Böen über 120 km/h in größeren Gebieten.

Warnstufe 2 wurde ausgegeben auf Grund der Wahrscheinlichkeit von Gewittern mit konvektiven Böen über 120 km/h, Starkregen mit 20-40mm innerhalb eines Gewitterereignisses und Hagel deutlich über 3cm.

Warnstufe 1 wurde herausgegeben durch Auftreten von Gewittern mit Sturmböen über 90km/h und leichtem Hagel.

 

Synoptische Übersicht:

Der Trog über Westfrankreich lenkt auf seiner östlichen Seite schwülwarme Luft nach Deutschland.  Nachmittags ist der Einfluss des Troges nur schwach, sodass es nur mit Hilfe der Orographie zur Auslöse kommt. Bei Verlagerung des Troges gegen Mittwochabend entsteht auf dessen Ostseite ein flaches Randtief, welches in der Nacht auf Donnerstag Westdeutschland streift und Richtung Nordsee zieht. Dieses wandert an der schleifenden Luftmassengrenze westlich von Deutschland und sorgt dadurch für erhebliche dynamische Konvektion in den westlichen Bundesländern.

Diskussion:

Das Randtief wird im Laufe des Abends und in der Nacht auf Donnerstag die teils sehr warme und feuchte Luft aus Deutschland (Abendwerte um 32 Grad, Taupunkt im Warngebiet um 16-20 Grad) verdrängen und  gleichzeitig wird kühlere und stabile Luft nach Deutschland bringen. Diese Mischung kann organisierte Konvektion erzeugen, die im Abend von den Vogesen und Ostfrankreich in Richtung Saarland und RLP zieht. In der zweiten Nachthälfte verlagert sich der Schwerpunkt weiter über NRW Richtung Nordsee. Bei PPW Werten um 30mm(lokal bis 36mm) ist Potential für starke Niederschläge vorhanden.

Bei einer frühen Auslösung kann die Konvektion die hohen Temperaturen nutzen, sodass die Ereignisse zu Beginn eine höhere Intensität mit sich bringen werden. Spätere Ereignisse in der Nacht können nicht mehr auf einen hohen T-Gradienten (Bodennah) zurückgreifen. Dadurch sind die stärksten Hagelereignisse in der Anfangsphase in RLP zu erwarten. Später birgt Starkregen das höchste Unwetterpotential. Aufgrund der strömungsmechanischen Voraussetzungen der Luftmassengrenze in Verbindung mit einer Konvergenz ermöglicht dann eine starke Windscherung (bis 50kn in 0-1km) die Vorrausetzung für Tornadobildung, bei anfangs verbreitet CAPE Werten um 1000-1500 J/kg. Hierbei liegen die Schwerpunkte in den späten Abendstunden über der Weinstraße und der Eifel. Hier werden Helizitätswerte von lokal bis 1000 m²/s² berechnet. Der Schwerpunkt verlagert sich zum Tageswechsel in den Bereich südliches NRW, wo ein Modell die Helizität bis 500 m²/s² berechnet und Superzellen prinzipiell nicht auszuschließen sind. Fraglich ist jedoch, ob sich diese mitten in der Nacht ausprägen bzw. diese erhalten bleiben.

Kurzzusammenfassung:

Die Gewitter am Nachmittag werden hauptsächlich Hagel und Starkregen als Begleiterscheinung haben. Ab den späten Abendstunden greifen dann frontale Gewitter auf Deutschland über. Hier besteht in den genannten Gebieten erhöhte Unwettergefahr durch potenzielle Superzellen mit Tornadopotential. Dazu kommt die Gefahr von konvektiven Fallböen und heftigen Starkregen innerhalb kurzer Zeit.

 

Modellvarianz:

Im Gegensatz zum Vortag sind sich die meisten Modelle über die Bewegung der stärksten Ereignisse einig (hier innerhalb WS 2+), unklar ist noch der Beginn der Konvektion und inwiefern sich dieses Gebiet nach Osten bewegt. Der Schwarzwald könnte ebenfalls gestreift oder involviert werden, ebenso wie Mittel- und Nordhessen, begünstigt durch orografische Auslösungen durch das Bergland. Insgesamt nimmt die Unwettergefahr Östlich von einem Streifen Frankfurt – Kassel Hannover deutlich ab.

Diese Wetterlage ermöglicht zumindest synoptisch gesehen ein starkes Unwetterpotenzial, jedoch findet dies in der Nacht und zu unbestimmtem Beginn statt, was die Interpretation der Modelle deutlich erschwert. Auch wenn Tornados, Superzellen etc. möglich sein können, muss dies nicht zwangsläufig der Fall sein. Dazu können auch einige Regionen innerhalb der stärksten Warnstufe verschont bleiben. Aktuelle Warnungen sind in der WarnWetter App des Deutschen Wetterdienstes oder dessen Webseite zu finden.